Fachlich geprüft von Robin Roeder, Geschäftsführer der SCREENUS GmbH · zuletzt geprüft am 02.09.2026.

Unternehmen, die Windows 10 über das kommerzielle ESU-Programm weiterbetreiben, erreichen in wenigen Wochen den nächsten Entscheidungspunkt: Das erste ESU-Jahr endet laut Microsoft am 13. Oktober 2026. Für verbleibende Geräte braucht es danach entweder eine abgeschlossene Migration, das zweite ESU-Jahr oder eine kontrollierte Stilllegung.
Warum der September der richtige Prüfzeitpunkt ist
Der reguläre Support für Windows 10 endete am 14. Oktober 2025. Berechtigte Geräte in Unternehmen können über Extended Security Updates weiterhin kritische und wichtige Sicherheitsupdates erhalten. Microsoft nennt für kommerziell eingesetzte Geräte den 13. Oktober 2026 als Ende von ESU-Jahr 1, den 12. Oktober 2027 als Ende von Jahr 2 und den 10. Oktober 2028 als Ende von Jahr 3.
Das klingt nach viel zusätzlicher Zeit, ist aber kein verlängerter Produktlebenszyklus. ESU umfasst weder neue Funktionen noch allgemeine Fehlerbehebung oder regulären technischen Support. Außerdem sind die Jahre kumulativ: Wer erst im zweiten Jahr einsteigt, muss nach Microsofts Angaben auch das erste ESU-Jahr erwerben.
Die vier sinnvollen Wege für verbliebene Geräte
1. Auf Windows 11 migrieren
Erfüllt ein Gerät die Hardwareanforderungen und sind Fachanwendungen, Peripherie und Sicherheitsfunktionen geprüft, ist die Migration meist der dauerhaft sinnvollste Weg. Entscheidend ist nicht nur, ob das Setup startet, sondern ob Anwendungen, Druck, Scanner, VPN, Verschlüsselung und Verwaltungswerkzeuge im Alltag zuverlässig funktionieren.
2. Hardware planmäßig ersetzen
Nicht kompatible oder wirtschaftlich überalterte Systeme sollten nicht durch immer neue Übergangslösungen konserviert werden. Beschaffung, Datenübernahme und Benutzerwechsel lassen sich sicherer in Wellen organisieren als unter Zeitdruck unmittelbar vor dem Stichtag.
3. ESU-Jahr 2 als begrenzte Brücke nutzen
Für einzelne unverzichtbare Geräte kann ESU sinnvoll sein, wenn eine dokumentierte Abhängigkeit eine sofortige Migration verhindert. Der Ausnahmebetrieb braucht ein festes Enddatum, einen Verantwortlichen und zusätzliche Begrenzungen. Das BSI empfiehlt, Patches und Änderungen geplant, getestet und mit Rückfalllösung durchzuführen.
4. Gerät stilllegen oder technisch isolieren
Ein nicht mehr benötigtes System gehört sauber außer Betrieb genommen. Ist ein kurzfristiger Weiterbetrieb ohne ESU unvermeidbar, darf das Gerät nicht wie ein normaler Arbeitsplatz behandelt werden: Netzwerkwege, Benutzerrechte, Internetzugriff, Datenaustausch und Überwachung müssen anhand des tatsächlichen Risikos begrenzt werden. Eine solche Isolation bleibt eine begründete Ausnahme, kein Dauerzustand.
Vor der ESU-Entscheidung: Edition und Gerätestand prüfen
Das kommerzielle Windows-10-ESU-Programm gilt laut Microsoft für berechtigte Pro-, Enterprise- und Education-Editionen. Die Geräte müssen Windows 10 Version 22H2 ausführen. Für physische Geräte nennt Microsoft aktuell außerdem ein erforderliches Basisupdate beziehungsweise eine neuere Aktualisierung sowie das ESU Licensing Preparation Package. Diese technischen Voraussetzungen sollten vor dem Rollout nochmals gegen die aktuelle Herstellerdokumentation geprüft werden.
LTSC- und LTSB-Ausgaben sind gesondert zu betrachten. Sie besitzen eigene Lebenszyklen und fallen nicht automatisch unter denselben ESU-Pfad. Eine reine Suche nach „Windows 10“ im Inventar reicht deshalb nicht: Edition, Version, Build, Lizenzstatus und tatsächliche Rolle des Geräts müssen zusammengeführt werden.
Ein praktikabler Ablauf bis zum 13. Oktober
- Gerätebestand verifizieren. Erfassen Sie Gerät, Benutzer, Edition, Version, Build, Hardwaretauglichkeit, ESU-Aktivierung und geschäftliche Funktion.
- Abhängigkeiten benennen. Dokumentieren Sie Anwendungen, Treiber, Maschinenanbindungen und Peripherie, die eine Migration verzögern können.
- Jedes Gerät einem Zielweg zuordnen. Migration, Ersatz, ESU-Jahr 2 oder Stilllegung benötigen jeweils einen Termin und eine verantwortliche Person.
- Migration und Rückfall testen. Pilotieren Sie kritische Kombinationen und sichern Sie Daten sowie notwendige Konfigurationen vor der Umstellung.
- ESU-Ausnahmen begrenzen. Halten Sie Begründung, Schutzmaßnahmen, Ablaufdatum und späteren Migrationsschritt nachvollziehbar fest.
- Update-Empfang nachweisen. Prüfen Sie nach der Umstellung nicht nur den Lizenzstatus, sondern auch den tatsächlichen Bezug und die Installation der vorgesehenen Sicherheitsupdates.
Wie SCREENUS unterstützen kann
Wir unterstützen Unternehmen bei Bestandsaufnahme, Kompatibilitätsprüfung, Pilotierung, Datensicherung, Rollout und Dokumentation. Für technisch gebundene Altgeräte können wir außerdem Netzwerksegmentierung, eingeschränkte Kommunikationswege und Monitoring als befristete Risikominderung planen.
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Häufige Fragen
Funktionieren Windows-10-Geräte nach dem 13. Oktober 2026 nicht mehr?
Die Geräte schalten sich nicht automatisch ab. Ohne passende weitere ESU-Abdeckung erhalten betroffene Standardeditionen jedoch nicht mehr die vorgesehenen ESU-Sicherheitsupdates. Das erhöht das Betriebsrisiko und muss bewusst behandelt werden.
Ersetzt ESU die Migration auf Windows 11?
Nein. ESU liefert ausgewählte Sicherheitsupdates, aber keine neuen Funktionen und keinen normalen Produktsupport. Es ist als zeitlich begrenzte Brücke gedacht.
Braucht jedes Windows-10-Gerät dieselbe Maßnahme?
Nein. Hardwaretauglichkeit, Edition, Anwendung, Gerätezweck und besonderer Produktlebenszyklus können zu unterschiedlichen Entscheidungen führen. Genau deshalb ist ein gerätebezogener Plan nötig.
Quellen und Aktualitätsstand
Die technischen Angaben wurden am 2. September 2026 anhand der folgenden Primärquellen geprüft. Der Beitrag ist vollständig eigenständig formuliert.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen technischen Information. Er ersetzt keine Rechts-, Lizenz- oder Beschaffungsberatung. Prüfen Sie aktuelle Microsoft-Vertragsbedingungen und den Lebenszyklus der konkret eingesetzten Edition vor einer Entscheidung.



